Zwei Tage raus.

Fühlingsskitouren um die Amberger Hütte

Zwei Tage, die einen immens weit weg bringen. Die Skitouren zwischen dem Stubai und dem Ötztal sind vielfältig und beinahe jedes Mal wenn wir in dieser Gegend touren, ergibt sich ein anderer Ablauf. Vom Stubaier Gletscher erreicht man in kurzer Zeit die Amberger Hütte. Ihr Tourengebiet ist wohlbekannt und bietet im Frühling oft die besten Bedingungen. Die hier beschriebene Tour führt vom Skigebiet hinab ins Sulztal und wieder zurück nach Mutterberg.

23. April 2026

10 Uhr am Stubaier Gletscher. Es war nicht notwendig die erste Bahn zu nehmen, denn das Tagesziel - die Amberger Hütte - ist mit Skiern relativ schnell erreichbar. Es bleibt Zeit den Stubaier Gletscher bei Bestbedingungen zu erleben und den umfassenden Blick in alle Richtungen zu genießen. Max war noch nie hier, deshalb erschließt sich ihm gerade eine völlig neue Tourenwelt. Mit dem Tourenticket erreichen wir die Bergstation an der Daunscharte und fahren von dort das erste Mal nennenswert abseits. Es hat in der Nacht leicht geschneit und bei strahlendem Sonnenschein fahren wir im unverspurten Gelände ab zur Moräne des Daunferner.

Stubaier Gletscher, Mittelstation Fernau.
Am Schaufeljoch mit Blick zum Zuckerhütl und bis in die Dolomiten.
Dust on the crust.

Der Aufstieg zum Daunjoch ist kurz, jedoch bewegt man sich in großer Höhe und nicht zuletzt auch deshalb könnten die Beine leichter sein. Am Joch öffnet sich das Panorama nach Westen und man sieht zum ersten Mal den Sulztalferner und seine umliegenden Dreitausender. Wir zweigen ab, in den steilen Gipfelaufbau des Hinteren Daunkopf. Max ist ein erfahrener Alpinist und schätzt Alternativrouten stets. Anstelle der gängigeren Anstiegs über die Südschulter erreichen wir den Gipfel von Westen. Im kurzen Steilstück schnallen wir die Skier ab, oberhalb ist's nicht mehr weit bis zum Gipfelkreuz. Drei Leute stehen dort, zwei davon werden wir auf der Amberger Hütte wiedersehen.

Aufstieg zum Daunjoch.
Daunjoch mit Wilder Leck im Hintergrund.
In der Querung an der Westseite.
Gerade so an der Grenze. Der Schnee ist noch weich genug um ohne Steigeisen aufzusteigen.
Gipfelblick ins Stubaital.

Zu Beginn der Abfahrt fahren wir trockenen Pulverschnee, weiter unten Firn. Das Bemerkenswerte dabei: Der Schnee ist selbst im Übergangsbereich nicht stumpf. Weite, größtenteils unberührte Hänge liegen vor einem und ergeben eine schimmernd weiße Arena, in der man nach Herzenslust schwingt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass man auf verschiedenen Routen vom Stubaier Gletscher zur Amberger Hütte gelangt, die Überschreitung des Hinteren Daunkopf ist dabei nicht obligatorisch. Sie ist jedoch wunderschön und am heutigen Tag passt wirklich alles. Im Talboden der Sulze angelangt legen wir eine Schicht Kleidung ab, die Frühjahrswärme ist spürbar. Ein paar Stockschübe und die Hütte ist erreicht. Dort treffen wir auf etwa 15 Gleichgesinnte. Wir sitzen den restlichen Nachmittag in der Sonne und tun sonst genau gar nichts.

Im oberen Teil der Abfahrt.
Max kam diesen Winter nur wenig zum Skitourengehen. Für ihn sind diese Schwünge etwas ganz Besonderes.
Ein Hang folgt dem nächsten. Abfahrt vom Hinteren Daunkopf bei Traumbedingungen.
Das kupierte und terrassenartige Gelände hinab ins Sulztal.
Ab hier wird's firnig.
Der Gipfel ist nicht mehr auszumachen.
Die Sulze. Am Ende des Talbodens liegt die Amberger Hütte.
Die letzten Meter entlang des Bachs.
Angekommen. Hier bei diesem Wetter den Nachmittag zu verbringen ist wunderbar.
Dolce far niente (italienisch für „die Süße des Nichtstuns“) beschreibt die Kunst und Lebensfreude, sich dem bewussten Entspannen und Müßiggang hinzugeben. (Quelle: Wikipedia)

Nach einer angenehmen Nacht auf der nur mehr wenig besuchten Hütte gehen wir das Sulztal wieder einwärts. Der Weg über die Franz-Senn-Hütte ins Stubai erschien ebenso reizvoll, doch der lange Fußweg am Ende nach Seduck ließ uns den Übergang zum Stubaier Gletscher entscheiden. Die Glamersgrube sah am Vortag herrlich aus und genau über diese wollen wir in die Wilde Grube und nach Mutterberg abfahren.

Kurz nach dem Losgehen, in der Sulze.
Blick talauswärts. Rechts der Schrankogel, eine ebenso tolle Skitour.
Im Gelände unterhalb des Gletschers.
Kurz vor dem Sulztalferner.
Der Morgen ist herrlich! Einsam und bei besten Bedingungen erfolgt der Aufstieg Richtung Daunjoch.
Die Spuren anderer vom Vortag.
An der Wilden Leck vorbei zum Gletscherrand unterhalb des Daunjoch.

Das Daunjoch ist ein Übergang nahe dem Hinteren Daunkopf und es war vor einigen Jahren noch der gängigste Übergang, um vom Stubaier Gletscher nach Westen zu gelangen. Der Sulztalferner ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen und das Joch brilliert seitdem mit losem Blockwerk und brüchigem Gestein. Im Sommer ist es keine Option mehr, doch nun liegt Schnee, und dieser ermöglicht einen recht angenehmen Übergang. Mit Steigeisen an den Füßen und aufgeschnallten Skiern steigen wir nach oben. Ohne richtigen Gipfel, jedoch auf einem panoramareichen Kamm beenden wir den Aufstieg. Wir jausnen, betrachten noch einmal in Ruhe die Umgebung und beginnen dann die Abfahrt. Diese ergibt noch einen weiteren Höhepunkt der zwei Tage, denn die Schneebedingungen sind fabelhaft. Vom Pulver in den Firn, und mit einem Pfeifen auf den Lippen bis ganz nach unten.

Daunjoch.
Kurz und steil. Ohne Steigeisen wäre es unangenehm.
Wir steigen noch auf zu einem schön gelegenen Aussichtspunkt.
Abschied vom Sulztal.
Nur wenige Spuren und sehr viel Platz.
Übergang in den Firn.
Die Glamersgrube enttäuscht selten und auch heute sind die Bedingungen ausgesprochen gut.
Leider ist der Weg in der Wilden Grube bereits geräumt. Seitlich von ihm fahren wir in wilder Manier noch weit ab.
Knapp vor Mutterberg.
Wieder im Tal angekommen. Zwei Tage die sich wie viel mehr anfühlen.

Der Stubaier Gletscher bietet Fahrten in der Wintersaison üblicherweise bis Mitte Mai an, die Berghütten schließen etwa zwei Wochen vorher. Sowohl Tagestouren, als auch mehrtägige Touren sind im April und im Mai in den Stubaier Alpen sehr beliebt. Oft findet man sehr gute und sichere Verhältnisse vor, die einem großen Spielraum bei der Durchführung der Tour geben. Auf Anfrage bieten wir jedes Jahr Privatführungen bis zum Saisonschluss der Geltscherbahn an.

Bild Verfasser

Verfasst von

Matthias Knaus

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